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Nachdem Charlie jetzt schon wieder wochenlang im Carport rumstand und sich eine dickere Schicht (Blüten)-Staub darauf abgesetzt hatte, wurde es Zeit.

Zeit, ihn wieder auf die Straße zu bringen. Dafür war aber so Einiges zu machen. Also, prinzipiell nichts Wildes, aber um ein paar Dinge musste ich mich mal kümmern.

Als Erstes ging es daran, das Ventilspiel einzustellen. So gesehen recht einfach, man nimmt den Ventildeckel ab und dreht die Kurbelwelle ein paar Mal vor oder zurück, damit sich die Ventile bewegen. Die Einstellung erfolgt nach einer vorgegebenen Reihenfolge, also nicht einfach der Reihe nach.

Die Kurbelwelle lässt sich relativ leicht bewegen, indem man das Auto – mit eingelegtem großen Gang – vor und zurück schiebt. Und die Zündkerzen sollten auch raus, damit man nicht auch noch Luft zusammenpressen muss. Dabei habe ich auch gleich die Elektrodenabstände der Kerzen geprüft. Die scheinen aber so zu stimmen. Was mich etwas stutzig gemacht hat war, dass die Zündkerzen von Zylinder 2 und 3 etwas ölig waren. Jetzt ist Charlie aber auch komplett kalt gewesen und, bis auf die paar Meter von der Halle ins Carport, dieses Jahr noch nicht gelaufen. Muss ich mal beobachten und nach dem nächsten Warmfahren nochmal kontrollieren. Möglicherweise war das nur etwas unverbrannter Sprit.

Die Ventile werden auf 0,33 mm im kalten Zustand eingestellt, jedenfalls laut Haynes-Manual, bezogen auf den Vergaser-Cooper, bzw. die A-Serie Motoren. Ansonsten liegt der Wert wohl bei 0,3mm. Mit etwas Erstaunen habe ich festgestellt, dass meine Fühlerlehre kein Blatt für 0,33mm hat. Bis ich darauf gekommen bin, dass es Zoll-Werte sind. Das Blatt mit der 0,12 entspricht ca. 0,3mm. Näherungsweise kommt´s also hin.

Mit einem Ringschlüssel löst man jetzt die Kontermutter am Kipphebel und dreht mit einem Schlitzschraubendreher die Einstellschraube rauf oder runter. An drei Ventilen war das Spiel minmal zu knapp, aber alles noch soweit im Rahmen.

Dann kam ein neuer gebrauchter Minifin-Ventildeckel aus Alu nebst Silikondichtung drauf. Gekauft habe ich den Deckel letztes Jahr über eBay-Kleinanzeigen. Allerdings hatte er drei Besonderheiten. Zum einen hat er Ausfräsungen für Zylinderköpfe mit 11 Bolzen (Charlies Kopf hat 9), was aber weniger schlimm ist. Die Dichtung ist an der Stelle nur ein wenig schmäler. Zum anderen hatte er eine Entlüftung neben dem Einfüllstutzen, die ich mit dem Luftfilterkasten verbunden habe. Das war bei frühen Modellen auch so. Dafür musste ich zwar ein Loch in den Kasten bohren und mit Schlauchnippel und Schlauch eine Verbindung basteln, das war aber kein Hexenwerk. Allerdings musste ich dafür den Schnorchel umdrehen und den Schlauch im Bogen um den Ventildeckel führen. Direkt hätte es nicht funktioniert. Zumal das Material am Übergang vom Schnorchel zum Kasten sehr dick ist und sich erstaunlich schlecht bohren lässt. Mal sehen, ob das so funktioniert. Wenn nicht mache ich beide Löcher zu.

Momentan fahren wir allerdings noch ohne den Ansaugschnorchel für den Luftfilterkasten rum. Der passt, durch die Position des Öleinfüllstutzens nicht mehr. Der Kasten saugt jetzt also ohne Umweg über den Ventildeckel an. Letzteres finde ich nicht ganz so schlimm, aber er saugt jetzt quasi die Abwärme vom Kühler an. Auch nicht ganz optimal. Mal sehen, ob ich mir da nicht noch was basteln kann.

Problematischer war allerdings die Öffnung für den Ölstutzen selbst. Da passte kein normaler Deckel drauf. Schon gar nicht der eigens in England bestellte Minifin-Deckel. Aber da komme ich später nochmal zu.

Den Kolben vom Vergaser habe ich dann auch noch ein wenig gereinigt und den Vergaser grob geprüft.

Bis zur Probefahrt hat es dann aber auch wieder ein paar Wochen gedauert. Zeit ist mal wieder Mangelware. Gestern Abend bin ich dann aber spontan dazu aufgebrochen. Ergebnis: soweit ok. Läuft einigermaßen rund, ohne ungewöhnliche Geräusche. Unterwegs habe ich dann noch den Zündzeitpunkt gemessen. Der steht – bei abgezogenem Unterdruckschlauch und 1500/min – bei 8° vor OT. Werksvorgabe liegt bei 4°, maximal 5° vor OT, wobei, laut Forum, 8° ganz gut sein sollen. Das probiere ich trotzdem bei Gelegenheit mal aus, indem ich ein paar Kilometer auf der Autobahn zurücklege und die Elastizitätswerte bei verschiedenen Zündeinstellungen prüfe.

Das ist aber nur ein Thema: ich will noch das rechte Antriebswellengelenk tauschen, die Kompression messen und das Masseband am oberen Motorknochen muß auch mal getauscht werden. Dann habe ich noch zwei PU-Buchsen, von denen ich aktuell nicht mehr weiß, wo die rein sollen. Ich glaube die waren für die Spurstangen vorne.

Fahrwerk muss ich auch noch einstellen und vermessen, und die Optik hat ein paar Updates nötig (Embleme und Zierstreifen).

Und das Bodenblech hätte gerne etwas Zuwendung. Naja, ist ja grade Fußball-WM, dann sind wenigstens die Straßen frei.