Tag 9 und 10, Cairngorms Nationalpark: oder Chaos Royale und Sterling – mit und ohne Silber

Ehrlich gesagt, war der neunte Tag so ziemlich der anstrengendste und chaotischste Tag.

Dummerweise ballen sich auf der Strecke von Inverness nach Dunkeld, wo unsere nächste Unterkunft lag, die sehenswerten Orte.

Elgin Cathedral

So haben wir als erstes die Cathedral in Elgin besucht. Wie so oft eine Ruine, aber trotzdem interessant. Die Türme sind begehbar und glücklicherweise mit ein paar Ausstellungen zwischendrin unterbrochen. Sonst hat man einen Drehwurm bis man oben ist.

Als nächstes stand Charlestown of Aberlour auf dem Plan, nur ein paar Meilen weiter. Dort gibt es zwar nicht direkt etwas zu besichtigen, aber Walkers hat einen Fabrikverkauf. Wir haben also die Dachbox mit diversen Shortbread-Packungen gefüllt. Von dort ist es auch nur ein Katzensprung nach Glenfiddich. Hier erweiterten dann zwei Packungen Whisky den Inhalt der Dachbox. Eigentlich haben wir nach einem Honig-Whisky gesucht, den gab es aber nicht mehr.

Quasi direkt nebenan liegt Balvenie Castle. Eine weitere, etwas kleinere aber recht hübsche Burgrunine.

Balvenie Castle

Die nächste Etappe sollte eigentlich nach Kildrummy ins dortige Castle führen, nur sind wir kurz vorher dummerweise über einen Antiquitätenladen gestolpert. Dumm war nur, dass es hier weder Kartenzahlung, noch einen Geldautomaten in der Nähe gab. Also bin ich rund zwölf Kilometer in den nächsten Ort gefahren, habe den Geldautomaten gefunden … und nichts bekommen. Ich hätte kein Guthaben mehr. Äh, wie?! 😳 Da ich mit der EC-Karte auch kein Glück hatte, bin ich gefrustet wieder zurück. Die Besitzerin des Ladens meinte, der Automat den ich gefunden hätte, würde bisweilen nicht richtig funktionieren, es gäbe aber noch zwei weitere an den beiden Co-op-Läden im Ort.

Also wieder, noch gefrusteter, zurück und erneut mein Glück versucht. Ergebnis: noch immer kein Geld. Ich habe dann mal meine Sparkasse angerufen, aber die zuständige Sachbearbeiterin war nicht zu erreichen. Irgendwie habe ich dann doch über die EC-Karte Geld bekommen und bin damit wieder zurück zum Antiquitätenladen, wo die diversen Beutestücke schon verpackt standen. Dann meldete sich auch schon die Sparkasse und erklärte mir, dass mein Limit erschöpft sei. Oh! 😯 Wir haben es dann etwas heraufgesetzt und sind in Richtung Balmoral aufgebrochen.

Naja, wir haben jetzt ein paar silberne Tee- und Kaffekannen nebst Milchkännchen, Zuckerdose und Tabletts, die wir zuhause weder in dem Zustand noch zu dem Preis bekommen hätten. Und ich habe zwei kleine und einen großen Egg-Coddler bekommen.

Für Kildrummy war aber keine Zeit mehr und wir wollten doch zumindest mal das „Ferienhäuschen“ der Queen sehen. Die Route dahin durch die Highlands ist wunderschön.

Cairngorms Nationalpark

Man fährt quer durch, mit lila-schimmernder Heide bewachsene Hügel und Bergkuppen, und zwischendrin stehen immer mal wieder Ruinen von alten Steinhäusern. Ok, wenn man den historischen Hintergrund kennt, gibt das zwar einen leichten Beigeschmack, imposant ist es allemal.

Ich war allerdings immer noch leicht gefrustet und habe es nicht einmal mehr hinbekommen, die kleine Actioncam am Auto zu befestigen. Schade, das wären schöne Aufnahmen geworden.

Balmoral liegt dann wieder in einem grünen Tal. Wir kamen, durch die Verzögerung, recht spät an und haben so gesehen noch die letzte Fahrt auf´s Gelände erwischt.

Balmoral Castle

Es gibt dort einen Landrover mit Anhänger, der Besucher bis vor das Schloss kutschiert. Den Ballsaal mit diversen Ausstellungsstücken kann man sich ansehen, fotografieren ist aber nicht. Das kann man dafür im Garten – Anmerkung am Rande: auch der Rasen der Queen ist dank der Trockenheit nur noch braun gewesen.

Balmoral Garten

Der Zier- und Nutzgarten lässt irgendwie darauf schließen, dass die Royals mehr oder weniger Selbstversorger sind. Gemüse brauchen sie jedenfalls nicht im nächsten Co-op einkaufen und opulente Blumensträuße können sie sich im eigenen Garten pflücken.

Für das Museum waren wir zu spät, aber dank des chaotischen Tags waren wir generell unter Druck. So auch Bienes Blase die dringend eine Entleerung nötig hatte. Sie konnte sich gerade noch in die Toilette retten, bevor diese abgeschlossen wurde. Sonst hätte sie sagen können, dass sie der Queen in den Garten gepullert hätte. Das Cafe und – oh Wunder – der Shop machten auch gerade zu, und der Fahrservice hatte eigentlich auch schon Feierabend. War aber ganz gut, dass er uns doch noch gefahren hat, denn so konnte er noch die Besucher wieder rausschmeißen, die durch das offene Tor aufs Gelände wollte. Eigentlich war schon zu, aber irgendwer hat wohl die Tür aufgelassen.

Wir mussten dann erstmal in der nächsten Unterkunft anrufen und erklären, dass wir etwas später kommen. Braemar Castle mussten wir somit auch links (vielmehr rechts) liegen lassen und auf direktem Weg Richtung Dunkeld. Die Old Military Road auf der wir unterwegs waren, hätte ich gerne ausgiebiger genossen.

Cairngorms Nationalpark – Old Military Road

Sie führte wieder über Heidebewachsene Hügel, an einem Skigebiet vorbei und über etliche Windungen und Kuppen. Teilweise fühlte man sich wie auf einer Achterbahn, inklusive blinder Kuppen mit anschließendem 25%-Gefälle. Das lädt zwar zu einer forcierten Fahrweise ein, ist aber auch ein wenig riskant. Nicht nur wegen der Schafe am Straßenrand. Aber wir mussten uns ranhalten, um noch einigermaßen zeitig in Dunkeld anzukommen.

Dort hatten wir ein diesmal etwas größeres, aber sehr angenehmes Guesthouse. Besonders war die Gemeinschaftsküche, die auch gerne genutzt werden konnte, und das große Gemeinschaftswohnzimmer mit Literatur, Gesellschaftsspielen und etlichen Stofftieren, die wohl auch schonmal nachts in den Betten verschwinden. Da uns der Sinn nicht nach selber kochen stand, sind wir in den Pub nebenan und haben italienisch gegessen. War ganz gut, nur Sohnemann war die Pizza zu scharf. Die war auch wirklich recht würzig. Dafür ist er mit drei englischen Jungs erstmal über das Gelände gepest. Anschließend sind wir dann noch auf den Spielplatz ein paar Meter weiter, und in einen kleinen Laden um das Reiseproviant aufzufüllen.

Interessant wäre sicherlich auch noch der Beatrix Potter Garden gegenüber gewesen. Aber die Zeit war einfach zu kurz.

Stirling Castle

Der nächste Tag sah dann einen Besuch auf Stirling Castle vor. Das liegt ungefähr anderthalb Fahrtstunden südlich und so gesehen ist man dann auch fast in Edinburgh. Das Castle ist nahezu vollständig erhalten … und gut besucht.

Stirling Castle

Interessant waren die Gemächer und der gewebte Wandteppich bzw. die Ausstellung dazu. Hier konnte man dann auch erfahren, warum Einhörner in Schottland so weit verbreitet sind. Für Kinder gab es auch einiges zum Entdecken und Ausprobieren.

Stirling Castle Küche

Ebenfalls interessant war die Küche, in der mit Puppen eine Alltagsszene nachgestellt wurde.

Wir haben uns, ich mit dem gut gefüllten Kamerarucksack auf dem Rücken, über etliche Treppen und Gänge geschleppt und irgendwann konnte ich nicht mehr. Der Tag zuvor steckte mir noch ordentlich in den Knochen und wirklich gut geschlafen hatte ich nicht. Unser Zimmer lag leider zur Straße raus und mit offenem Fenster hatten wir auch die entsprechende Geräuschkulisse. Abgesehen davon, dass wir auch hier, wie überall, eine 2er-Matratze mit nur einer großen Decke hatten.

William Wallace, Stirling Castle

Besser wurde es mehr oder weniger nach unserem Besuch. Wir hatten uns in der Innenstadt einen Pub gesucht um etwas zu essen. Sohnemann hatte ein (nicht wirklich gutes) Steak, Biene eine Ofenkartoffel, und ich … was hatte ich eigentlich?! Ich glaube Knoblauchbrot und die Reste von Sohnemanns Teller. Jedenfalls die zähen Stücke und ein paar Pommes. Als wir gegangen sind, hat sich eine Möwe erstmal auf die Kartoffelschale gestürzt und genüsslich auf dem Dach des gegenüber geparkten Polizei-LKW verspeist.

Wir waren dann noch etwas bummeln, haben ein klein wenig Krimskrams eingekauft, und sind dann zum Doune Castle gefahren, auch wieder aus Outlander als Burg Leoch, Sitz der MacKenzies bekannt. Oder aus Monty Python´s „Ritter der Kokosnuss“, je nachdem, was besser passt.

Doune Castle

Da bekommt man dann schnell einen Eindruck, wie weit Film und Realität auseinanderklaffen. Auf dem Rückweg in die Unterkunft haben wir dann noch versucht, Orangenmarmelade zu bekommen, aber Marks and Spencer scheint sowas nicht wirklich zu führen. Jedenfalls keine von Wilkin and Sons.

In der Unterkunft konnte der Kurze dann noch etwas malen und wir haben unseren Flüssigkeitshaushalt ausgeglichen.

Am nächsten Morgen habe ich dann beim Packen ausgerechnet meine auf Skye erworbene Flatcap liegenlassen, aber mittlerweile habe ich sie glücklicherweise zurückbekommen. Vielen Dank nochmal dafür, ich werde mich bei Gelegenheit erkenntlich zeigen.